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Wandern zwischen Rott und Inn - Tour 1 "Ein geschichtsträchtiger Weg"

Malching, das südliche Tor in den Landkreis Passau, kennen zwar viele - doch meistens nur vom Durchfahren. Jahrhundertelang durchschnitt die Bundesstraße 12 die uralte Hofmark. Seit Oktober 2009 entlastet ein Teilstück der Bundesautobahn A 94 (BAB) die Ortsdurchfahrt vom Durchgangsverkehr. Den wenigsten dürfte bekannt sein, dass Malching mit zu den geschichtsträchtigsten Orten des Inntales zählt, aber auch ein landschaftlich ungemein reizvolles Hinterland vorzuweisen hat. Hier warten auf den Wanderer noch viele beschauliche Platzerl, die es zu entdecken gilt.

Vom Pfarrzentrum zur Kriegerkapelle

Vom Ausgangspunkt am Pfarrzentrum lohnt ein Besuch der spätgotischen Pfarrkirche, geweiht dem hl. Ägidius. Anschließend geht es in westlicher Richtung hinaus zur Pestkapelle, die einen Kilometer entfernt am Rande des  Eichberges liegt. Entlang der Waldstraße und vorbei an den Schrebergärten und einer Pferdekoppel, an der sich oftmals Rösser vom Pferdegestüt Holzeder tummeln, führt ein Feldweg an diesen besonderen Ort. Das kirchliche Kleinod stammt im Kern aus dem Jahr 1634. Sie ist die Hofkapelle der Familie Holzeder, die sie im Jahr 2006 liebevoll renoviert hat. Sie ist Erinnerungsstätte an die entsetzlichen Pestjahre  der Gemeinde. Hier, weit außerhalb des Dorfes,  fanden in der letzten Pestzeit (1715 – 1718) ca. 200 Personen ohne Leichenfeierlichkeiten und kirchlichem Beistand  ihre letzte Ruhestätte. Heute ist es ein idyllischer Ort der Ruhe mit einem wunderschönen Alpenblick.
Geschichtlich Interessierten sei ein Gang zum etwa 200 m weit entfernten Wald empfohlen. Hier befindet sich der geschichtsträchtige Einsiedelbuckel, dieser zählt zu den bedeutendsten Bodendenkmälern im Landkreis Passau und ist die wichtigste Fundstätte der Bronzezeit in der Region.

Das letzte Ziel ist die Kriegerkapelle, erbaut im Jahre 1915 zum Gedenken an die Opfer des 1. Weltkrieges. Die vergitterte Nische enthält das Bild „Christi Rast nach der Geißelung“. Die etwas derbe Figur stammt aus der alten Kircheneinrichtung Malchings.

Der Weg dorthin verläuft direkt am Waldrand und gewährt immerzu freie Aussicht ins Alpenvorland. Den Gottesackerweg, so benannt wegen seiner Nähe zum Pestfriedhof, hat der Malchinger Rauchklub ausgebaut. Von hier aus geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Eine Hügellandschaft geschaffen von Menschenhand

Wolfsbühl und Einsiedelbuckel sind nur einige der sagenumwobenen Namen, welche die Grundstücke und Fluren der Gemeinde Malching bezeichnen. „Wolfsbühl“ nennen die Einheimischen den bewaldeten Höhenzug westlich der Gemeinde. Hier befinden sich seltsame Hügel, die, so scheint es, von Menschenhand geschaffen wurden. Für Archäologen und engagierte Malchinger wie Pfarrer Adolf Schanderl, Dominik Dengl d. Ä. und Heimatpfleger Reinhard Fuchs der Beweis einer frühgeschichtlichen Anlage. Nähere Untersuchung des Bodens bestätigten, dass hier bereits in der jüngeren Steinzeit, etwa 4.000 Jahre vor Chr., eine Ansiedelung bestanden hat. Die Hügel weisen starke Merkmale einer frühmittelalterlichen Burg auf, die über verschiedene Epochen hindurch, vielen Menschen Heimat geboten haben muss. Das bestätigen auch die zahlreichen Funde von Ton- und Keramikscherben, Steinwerkzeugen und Kupferschlacken. Sie machen das Areal um den Wolfsbühl zu der wichtigsten Fundstätte der Bronzezeit in der Region. Über einen sensationellen Fund durfte sich der Malchinger Heimatpfleger Reinhard Fuchs im Jahr 2015 freuen. Er fand im nördlichen Bereich des Einsiedelbuckels einen wertvollen Schlüssel, ca. 15 cm groß, aus dem Spätmittelalter. Dieser wurde vom Kreisarchäologe Walter Wandling restauriert und steht zur Besichtigung im Gemeindearchiv nach Rücksprache mit der Gemeinde Malching zur Verfügung.

Der Einsiedelbuckel ist die höchste Erhebung des Gebietes und wird von verschiedene Gräben umgeben, dessen Senken sich weit in die Umgebung hinein erstrecken und wohl die Dreh- und Angelpunkte der damaligen Burganlage gewesen sein müssen. Eine weitere mysteriöse Geschichte umgibt den Einsiedelbuckel von der er auch seinen Namen bekommen hat. Im Jahr 1763 wählte Frater Hieronymus Spöckgast ein Leben in Abgeschiedenheit und siedelte sich auf einer Anhöhe im Gebiet Wolfsbühl an. Er lebte  11 Jahre bis zu seinem Tod 1774 als Eremit und vererbte dieser Anhöhe den Namen Einsiedelbuckel.

Die Quellen stammen von Pfarrer Adolf Schanderl 1870 - 1946, Dominik Dengl d. Ä. und eigenen Forschungsergebnisse vom ehrenamtlichen Heimatpfleger Reinhard Fuchs, der auch Autor der Beschreibung dieser Route ist.