Das Bier und sein Garten

Man möchte meinen, der schöne Garten war zuerst da, und erst danach kam das Bier. So ist das aber nicht. Denn zuerst war das Bier. Schaut man sich so um in der gastronomischen Landschaft Deutschlands, so hat vergleichsweise kein Bundesland in seinen Städten oder auf dem Lande so viele weitläufige Außenflächen wie das in Bayern der Fall ist. Und auch Bier in derart großen Mengen wurde vor allem hier gebraut.

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Ein Prosit auf die Biergärten im Bayerischen Golf- und Thermenland © Katharina Tenberge-Holzer
Tiefe Keller und viel Eis

Und auch Bier in derart großen Mengen wurde vor allem hier gebraut. Bis zum 19. Jahrhundert als untergäriges Bier. Diese Gärungsart erfordert niedrige Temperaturen zwischen 4 und 8 Grad. Schnell verdarb es auch, wenn es anschließend zu warm gelagert wurde. So brauchte es tiefe Keller und große Mengen Eis zur Kühlung. Das konnten sich in erster Linie die reichen Münchner Großbrauereien leisten. An den Flussterrassen der Isar gruben sie tiefe Keller. Die gewaltigen Eismengen schifften Flößer mühsam aus den Alpen herbei. Um die Temperaturen in den Kellern noch weiter zu senken, streute man oben auf den Hang Kies. Und pflanzte dazu Kastanien. Die wuchsen schnell, wurzelten flach und warfen noch kühlenden Schatten auf die Oberseite der Keller. 

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Der Siegeszug des Biergartens  

Bis 1799 war es den Brauern noch strengstens verboten, das Bier frisch und kalt direkt aus dem Keller auszuschenken. Grade noch erlaubt war es, in der kurzen Zeit des Sommerbierausschanks. Wozu man einfache Tische und Bänke unter die Kastanien stellte. Schon bald wurden diese "Kellerbiergärten" an der Isar ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner. Das Essen brachte man halt selbst mit. Anfang des 19. Jahrhunderts verschwanden dann die Verbote. Der Siegeszug des Biergartens mit Kies und Kastanie konnte seinen Anfang nehmen. Mit oder ohne Keller. Das, was die Münchner auf die Spitze trieben,
war jedoch schon immer inspiriert durch die Erfindungen und Traditionen des bayerischen Umlandes. Womit wir gleich im angrenzenden Niederbayern wären.

Ein Biergarten in der Nähe findet sich allemal

Vilshofen verfügt über einen gewaltigen Bierkeller, den einst der Brauer Joseph Groll erbauen ließ. Der berühmte Spezialist untergäriger Biere wurde nach Pilsen gerufen, um dort das Pilsener Urquell zu erfinden. Der Groll-Keller in Vilshofen, der sich unter dem Wirtshaus "Wolferstetter Keller", befindet, ist mit Führungen gelegentlich zugänglich. 

Und weiter mit Niederbayern: Hartnäckig hält sich das Gerücht, das geheime Rezept für das Salvator-Starkbier vom Nockherberg stamme ursprünglich von den bierbrauenden Prämonstratensern aus Sankt Salvator, ganz in der Nähe von Bad Griesbach. Die ebenfalls eine gewaltige Kelleranlage gebaut hatten. Heute sind die Keller gelegentlich für Degustationen oder Führungen geöffnet. Die Klosteranlage ist einen Besuch wert und bietet heute zudem eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit für golfspielende und ruheliebende Gäste. Ein Biergarten in der Nähe findet sich allemal. Und natürlich: Niederbayern ist das Bayern der vielen Flüsse. 

Wie gut das schmeckt: Ein süffiges Bier der ältesten Klosterbrauerei der Welt im Biergarten des Klosters Weltenburg. © Katharina Tenberge-Holzer
(Ein-)Blick ins Paradies

Was die Münchner an der Isar plötzlich entdeckten, gefiel den Niederbayern vermutlich schon lange und hier gibt es zahllose Gelegenheiten, das zu geniessen. Eine besonders schöne Gelegenheit findet sich im "Mühlhamer Keller". Neben Kies, Kastanien und bayerischen Spezialitäten eröffnet sich hier der eindrucksvolle Blick auf die majestätisch dahinfließende Donau. Ein Glück, das sich der Radler auf dem Donauradweg in Mülham bei Osterhofen auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Inklusive Abstecher zur Asamkirche in Osterhofen. Ein Blick ins Paradies …

Ein ganzes Stück donauaufwärts hat man dieses Paradies auf Erden perfektioniert: Das Kloster Weltenburg bildet einen kaum zu übertreffenden Einklang von imposanter Natur, einem himmelstrebenden Asam-Barock und einer langen Geschichte, die zurückreicht bis zu den Kelten. Was dann zwangsläufig einen Biergarten erfordert, der es schafft, den Menschen wieder mit beiden Beinen auf die Erde zurückzustellen. Das Kloster bot Donaufischern und -schiffern von jeher Unterkunft und Verpflegung. Bier gebraut wurde hier seit 1050 und Weltenburg gilt als die älteste Klosterbrauerei der Welt. Die erste Konzession für einen Schankbetrieb jedoch bekam es erst 1826. Und damit diesen legendären Biergarten im Klosterhof. Der Blick wird hier mehr auf die schlichte Aussenfassade der Asamkirche gelenkt, die von herrlichem Essen und Trinken wenig ablenkt. Beruhigend. Geht man dann aber hinaus durchs Tor, empfängt einen die kieselgeschmückte, murmelnde, belebte Donau, die sich anschickt, gewaltige Felsen zu durchbrechen. Einer der unglaublichsten Orte für einen Biergarten, finden wir.