Eine Grenze, die verbindet?

Der Donaulimes ist nur ein kleiner Teil der ehemaligen Grenzen des Römischen Reiches. Als Limes bezeichneten die Römer ihre vom 1. bis zum 6. Jahrhundert angelegten Grenzverläufe und -befestigungen. Das Römische Reich umfasste damals Teile von Europa, Vorderasien und Nordafrika, entsprechend lang war diese Trennlinie zur nichtrömischen Welt. 
Seit Sommer 2021 gehört der Donaulimes in Bayern zum UNESCO Weltkulturerbe. 

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Das Museum Quintana in Künzing zeigt anschauliche Beispiele zum Leben in der Römerzeit © Tourismusverband Ostbayern e.V., Herbert Stolz
Natürliche Gegebenheiten dienten als Grenzen

Man hat sich den Limes nicht als in die Landschaft gemauerte, lückenlos überwachte Linie vorzustellen. An vielen Stellen waren es natürliche Gegebenheiten wie Flüsse, die als Grenze dienten. Euphrat und Tigris, der Rhein und ebenso die Donau markierten die Grenze mit ihren Flussläufen. Der Bau von Kastellen und Wachtürmen entlang dieser Trennungslinien war abhängig von der Bedrohungslage vor Ort, von der Siedlungsdichte und den natürlichen Gegebenheiten. Oft war die Landschaft am Fluss sumpfig. Die Anlagen erfüllten zudem keineswegs nur militärische Zwecke, sondern dienten vor allem als Zollgrenzen und Marktplätze für den Handel mit den "Barbaren", wie die Römer gern alle anderen Kulturen bezeichneten. 

Bleiben wir an der Donau. Der Donaulimes zog sich den kompletten Fluss entlang: Bulgarien, Rumänien, Serbien, Ungarn, die Slowakei, Österreich und eben Bayern. Die Römer legten zudem eine Straße an: Die berühmte Via Istrum verband ab Belgrad die Stationen, Kastelle und Festungen bis hinunter ins Donaudelta am Schwarzen Meer. 

Die Römer bereicherten die Region

Im Bayerischen Golf- und Thermenland bauten die Römer ein Legionslager, Castra Regina, aus dem sich das heutige Regensburg entwickelte, das mit seiner prächtigen Altstadt auch bereits zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Ebenfalls an der Donau standen die Kastelle Eining, Straubing, Künzing und Passau. In Künzing zeigt das Museum Quintana eindrucksvoll römische Fundstücke, keineswegs nur Militärisches, sondern auch Schmuckstücke, Schreibgriffel und Alltagsgegenstände. Die Ausstellung eröffnet einen umfassenden Einblick in die Lebensart der Römer. Sie brachten nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung, ihre Anwesenheit veränderte und bereicherte die Region. 

Es wurde Wein getrunken – und angebaut. So kam es wohl zu den noch in Teilen vorhandenen Weinbergen an den Südhängen entlang der Donau. Der "Baierwein" wird in Bach an der Donau noch heute kultiviert – und natürlich verkostet. Und wo die einheimischen Barbaren sich von fadem Dinkelbrei ernährten, wurde der Speiseplan nun nach Römerart mit Olivenöl, Schafskäse, Fisch, Datteln, Feigen und verschiedensten Gewürzen erweitert. Die Römer wußten es sich schön zu machen. 

Zur Erholung ging man sogar ins Bad. Oder zur „Reha“ nach Verletzungen. Die Überreste eines Römerbads, in dem das heilsame Schwefelwasser genutzt wurde, können in Bad Gögging noch heute besichtigt werden. Nebenbei: In der heutigen Limes-Therme Bad Gögging lässt sich sozusagen "auf Römerart" noch immer prächtig entspannen.

Schätze aus der Römerzeit

Bei der Reise durch Niederbayern entdeckt man an unzähligen Orten, dass römische Siedlungen oft den Grundstein heutiger Städte bildeten. Weiter geht es auf Entdeckungsreise entlang des Donaulimes. Das Archäologische Museum der Stadt Kelheim, das Historische Museum der Stadt Regensburg, das Gäubodenmuseum Straubing und das RömerMuseum Kastell Boiotro – sie alle zeigen wahre . 

Und nicht nur in der Museumsvitrine, sondern auch in der virtuellen Welt „römert” es: Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege haben die fünf „Römermuseen am Limes“ Inhalte für eine App entwickelt: LIMES mobil, mit der sich Römerspuren im Gelände entdecken lassen. Oder man unternimmt vom heimischen Sofa aus einen virtuellen Ausflug an die spannendsten Orte des Donaulimes. Die Inhalte werden übrigens weiter ergänzt und aktualisiert, so dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt.  Interessant, wie eine ehemals trennende Grenze nun zur Verbindungslinie werden kann. Durch einen Fluss und die gemeinsame Kulturgeschichte. Europa kann sowas gerade gut gebrauchen!